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Video-Bewerbung
Die Popularität und die Fülle selbst produzierter Filmclips auf Plattformen wie YouTube, Facebook und Twitter zeigt wie rasant sich Videobeiträge im Internet etabliert haben. Dieser Trend erobert nun langsam auch die Bewerbung. Mit MyJobVideo und CV One sind gerade zwei Plattformen für Video-Bewerbungen im Internet gestartet. Das Gros der dortigen Bewerber, kaum älter als Mitte 20, stellt sich dort in ein- bis zwei-minütigen Clips vor. Meist bewerben sie sich um Ausbildungsplätze oder Praktika.
Noch ist eine Videobewerbung eher ungewöhnlich. Investiert man die Zeit, um sich diese Bewerbungsform näher anzusehen, so stößt man auf einige ansprechende Beispiele, die das Potential dieser Variante aufzeigen und nahe legen, dass Bewerbungsvideos in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnten. Schon jetzt ist zu erwarten, dass vor allem junge Bewerber ihre klassischen oder elektronischen Bewerbungen zunehmend mit Bewerbungsvideos flankieren werden. So gibt es eine ganze Reihe von Brachen und Jobs, in denen ein solches Video eine gelungene Ergänzung sein kann. Zum Beispiel überall dort, wo es Kundenkontakt gibt und Persönlichkeit wichtig ist. Hier kann ein Clip hilfreich sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Videobewerbung ausschließlich branchen- und tätigkeitsspezifisch ist.
Bei Arbeitgebern kommt die "Film"-Bewerbung durchaus gut an. Sie ist eine prima Möglichkeit, sich einem Unternehmen zu präsentieren. Über das Foto hinaus bekommt ein Unternehmen mit dem Clip einen ersten audiovisuellen Eindruck des Bewerbers. Ein erfahrener Personaler kann in kurzer Zeit aus dem Film viel herauslesen. Ein Clip zeigt wie keine andere Bewerbungsform die Persönlichkeit auf, man kann sehen, wie sich ein Kandidat präsentiert, wie er spricht, welche Argumente er benutzt - und, ob Mensch und Verhalten authentisch sind. Mit der Videobewerbung steht eine aussagekräftige Möglichkeit zur Verfügung, mit positiver Präsenz, Ausstrahlung und Persönlichkeit direkt ins Personalbüro vordringen, ohne zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein. Was mit der klassischen Bewerbung vielleicht nicht gelingt, kann mit einer Videobewerbung erreicht werden. Durch Auftreten, Mimik und Gestik kann man überzeugen und Zielstrebigkeit und Engagement unter Beweis stellen, gerade auch dann, wenn die Noten dies nicht immer widerspiegeln würden Durch Bewerbungsunterlagen und Video bietet sich dem Personaler ein Rundumeindruck seines zukünftigen Mitarbeiters.
Bevor Sie zur Kamera greifen, müssen Sie jedoch wissen, welche Fehler Sie bei einer Videobewerbung unbedingt vermeiden sollten und welche Nachteile und Risiken diese in sich birgt. Ihr Videobeitrag darf nie ein Déjà-vu ihrer übrigen Bewerbungsunterlagen hervorrufen. Vermeiden Sie daher unbedingt eine digitale Doublette Ihrer Print- oder Online-Bewerbung. Eine Videobewerbung ist vielmehr die Essenz, ein Scheinwerfer auf Ihre Persönlichkeit, ein Werbeclip für Ihre Stärken. Der Zuschauer, in diesem Fall der Personaler, soll Sie damit besser kennen lernen und zugleich neugierig werden. Das Video sollte deshalb kurz (max. 2min), prägnant und einen im positiven Sinne bleibenden Eindruck hinterlassen. Bereits in der ersten Minute sollte die Hauptbotschaft kommen. Wichtig sind vor allem der Beginn, hiermit wecken Sie die Neugier Ihr Video weiter anzuschauen, und der Schluss, der möglichst so gestaltet sein sollte, dass Sie im Kopf des Personalers hängen bleiben. Tipp: Schauen sie sich zuvor einige Bewerbungsvideos an, notieren Sie sich was Ihnen an Ideen gefällt und was nicht. Und vor allem, stellen Sie sich persönlich die Frage, ob Sie der Typ für eine Videobewerbung sind.
Und noch eine Sache sollte jeder - insbesondere junge - Bewerber bedenken: Die jetzt in das Berufsleben eintretende Generation ist die erste, deren Lebenslauf nahezu vollständig digital sein wird. Dies bedeutet, dass vieles was Sie im Internet hinterlegen auch noch in zehn oder 20 Jahren recherchierbar sein wird. Das Internet dokumentiert somit auch Ihre persönliche Entwicklungskurve. Bleiben Sie also natürlich und legen Sie sich in einem Bewerbungsvideo nicht fest. Sollten Sie Ihre Meinung später ändern, geraten Sie unnötig in Rechtfertigungsdruck und es könnte eine unangenehme Frage des Personalers werden, woher der Sinneswandel kommt. In einer schriftlichen Bewerbung können Sie jedes Mal neu betonen, dass Sie nur bei diesem oder jenen Arbeitgeber arbeiten wollen - und diese Motivationsbegründung ist dort ja auch essenziell. Digital aber legt es Sie auf lange Zeit fest oder wirkt, wenn Sie mehrere solcher Videoclips mit unterschiedlichen Begründungen streuen, äußerst unglaubwürdig.
Frei von Risiken und Nebenwirkungen ist ja bekanntlich fast gar nichts, daher gibt es auch bei der Videobewerbung, wie bereits angesprochen, den einen oder anderen Nachteil: Der Personaler kann völlig überrumpelt von dieser Bewerbungsmethode sein, oder er ist zu eingefahren in seinen klassischen Vorstellungen, oder er hat, je nachdem, welches Programm oder Format genutzt wird, nicht die technischen Möglichkeiten, die Videobewerbung anzusehen. In zahlreichen Unternehmen sind fremde Medien (CD/DVD) zudem nicht erlaubt. Daher sollten Sie sich zuvor sorgfältig das Firmenporträt anschauen, um zu entscheiden, ob eine Videobewerbung angebracht ist. Ihr Bewerbungsvideo können Sie der Personalabteilung zum Einen auf CD oder DVD und zum Anderen online auf einem Internet-Portal oder einer Bewerbungswebseite anbieten. Geschickt ist es beide Möglichkeiten zu nutzen. Vermeiden Sie dabei aber für den Personaler möglichst unnötige Hürden, wie z. B. Passwortbarrieren und Registrierungen. Informationen zu gängigen und geeigneten Videoformaten für selbst gedrehte Bewerbungsvideos finden Sie auf den bekannten Videoplattformen oder den Internetpräsenzen der Video-Bewerbungsdienste.
Bei der Realisierung und Präsentation Ihres Bewerbungsclips stehen Ihnen einige Varianten zur Verfügung, wobei Sie die Möglichkeit haben den Clip selbst zu drehen oder auf professionelle Weise produzieren zu lassen.
Video-Bewerbungsdienste und Internet-Portale für selbst gedrehte Bewerbungs-Videos myJobVideo (myjobvideo.de) und CV One (www.cvone.de) sind erste Video-Portale für Arbeitssuchende. In 30 bis 90 Sekunden langen Filmen stellen sich Jobsuchende über einen persönlichen Videoclip vor. Wer sich präsentieren möchte, dreht per Handy, Kleinkamera oder Digi-Cam einen kleinen Film, mit dem er sich, seine Fähigkeiten und Wünsche darstellt. Zusätzlich können Bewerber ihre persönlichen Bewerbungsunterlagen in digitaler Form (PDF) hinterlegen. Diese Unterlagen können - im Gegensatz zu den Videos - aber nur von den akzeptierten bzw. angemeldeten Arbeitgebern eingesehen werden.
Neben den Basis-Informationen wie Name, Wohnort, Alter, Schulabschluss, Berufsausbildung und Arbeitserfahrung sollten Sie im Video gegebenenfalls noch folgende Punkte erwähnen bzw. rüberbringen:
- Warum bewerben Sie sich für diesen Beruf, diese Ausbildung oder in dieser Branche?
- Warum sollte man Sie zum Vorstellungsgespräch einladen?
- Vermitteln Sie Kenntnisse über die Branche, in der Sie sich bewerben.
- Für Bewerber eines Ausbildungsplatzes kann u.a. interessant sein zu erwähnen:
- Welche Motivation, Interessen und Voraussetzungen Sie für eine Ausbildung mitbringen.
- Welche praktischen Erfahrungen Sie bereits sammeln konnten.
- Wofür Sie sich noch interessieren.
- Welche Fremdsprachen Sie sprechen.
Tipps zur Erstellung eines selbst gedrehten Bewerbungs-Videos
Einige Beispiele gelungener Bewerbungsvideos legen nahe, dass die Zahl der kleinen Filmclips, die die klassische oder elektronische Bewerbung flankieren, zunehmen wird. Allerdings gibt es längst auch einige peinliche Entgleisungen. Deshalb, bevor auch Sie zur Kamera greifen, hier einige Punkte, die Sie bei der Videobewerbung beachten sollten, um Fehler zu vermeiden:
- Personaler auf Kandidatensuche haben kaum Zeit. Das ist zwar bedauerlich, doch anders als per Überflug sind die Bewerberstapel bei der Erstlese wohl nicht zu bewältigen. Für Ihr Video gilt es daher Langeweile zu vermeiden. Es sollte aussagekräftig sein und vor allem das Interesse an Ihnen wecken - in nicht mehr als zwei Minuten. Und schon in der ersten Minute sollten Sie Ihre Hauptbotschaft platzieren. Also: Keep It Straight and Simple. Sie wollen den Personaler neugierig machen, ihn einladen, Sie persönlich kennenzulernen, seinen Appetit auf Sie wecken. Mehr aber auch nicht. Seien Sie also sparsam mit Informationen. Weniger ist mehr, und zuviel wirkt oftmals kontraproduktiv.
- Bevor Sie die Kamera anschalten, bereiten Sie sich vor! Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Warum sind Sie der ideale Kandidat? Zur Vorarbeit zählt ebenso, sich seinen Text genau zu überlegen. Schreiben Sie auf, was Sie sagen wollen. Lesen Sie es ein paar Mal laut vor. Sprechen Sie verständlich, einfach und natürlich. Kurze Sätze und nicht mehr, als unbedingt notwendig, sind Merkmale einer guten Selbstpräsentation per Video. Folgen Sie der einfachen Formel: neuer Gedanke = neuer Satz. Sätze, die holpern, sollten Sie umformulieren. Denken Sie daran: Schriftsprache und gesprochene Sprache unterscheiden sich enorm. Ihr Text sollte jedoch nie wie abgelesen klingen. Ein Trick: Stellen Sie sich beim Formulieren jemanden vor, zu dem Sie diese Sätze sagen würden. Können Sie Ihren Text frei ohne viele Äh's und Hmm's sprechen? Ansonsten lernen Sie das Skript besser auswendig - solange, bis Sie es flüssig und natürlich vortragen können. Zur Not nehmen Sie die Szene eben wieder und wieder auf.
- Eine Videobewerbung ist eine Art Talkshow, vielleicht auch eine Art Interview. In jedem Fall ist es die Bühne für Ihre Erscheinung. Vor allem Ihre Gestik, Mimik, Stimme, Tonfall, Betonung und Artikulation bleiben im Gedächtnis hängen. Die Wirkung Ihrer Worte wird nur untergeordnet vom Inhalt beeinflusst. Achten Sie also auch auf Ihr Äußeres: Haare, Kleidung, etwas Gesichtspuder, damit die Haut nicht so glänzt (auch die Männer!). Ziehen Sie das an, worin Sie sich wohl fühlen. Ein Anzug, ein Kostüm oder Kleid sind für einen Job im Büro immer okay. Je nach Job können Sie sich aber auch legerer kleiden. Bedenken Sie bei der Wahl Ihrer Kleidung, dass Helles oftmals heller und Dunkles im Video deutlich dunkler wirkt, was sehr kühl wirken kann. Muster sind vor einer Kamera sehr heikel - große erschlagen, kleine sind zu unruhig. Daher empfiehlt sich uni - in Farben, die zum Typ passen, aber eben nicht zu hell und nicht schwarz.
- Auch Accessoires wie Schmuck und Brille sollten ausgewogen gewählt sein und zur Person passen. Ansonsten lenken sie von der eigentlichen Botschaft ab. Bei einer Frau sollten i.d.R max. fünf Accessoires erkennbar sein (z.B. Kette, Uhr, Ohrringe und maximal zwei Ringe). Ein Mann sollte nicht mehr als seine Uhr, einen Partnerschaftsring und maximal einen weiteren Ring tragen. Bei Brillen besteht zudem die Gefahr, dass sie reflektieren.
- Auch Ihre Körpersprache hinterlässt einen Eindruck. Dabei sind seriös und sympathisch keine Gegensätze. Sie wollen Enthusiasmus dokumentieren - dann zeigen Sie ihn. Lächeln Sie. Ein positiver Gesichtsausdruck und ein nettes Lächeln machen einen sympathischen Eindruck. Die Hände, in einer solchen Situation meist überflüssig, können Sie, vorausgesetzt sie möchten sitzen, in den Schoß, auf den Tisch oder die Lehnen des Schreibtischstuhls legen. Bitte keine verschränkten Arme oder übereinander geschlagenen Beine. Das wirkt reserviert oder unsicher. Andere Bewerber bevorzugen den freien Stand: Beine leicht gespreizt, Schultern gerade, Wirbelsäule durchgestreckt, Hände locker ineinander gelegt. Ab und an können Sie damit auch gestikulieren - aber niemals hektisch oder ausladend.
- Präsentieren Sie sich von Ihrer besten Seite und dabei ist vor allem Ihr Gesicht wichtig. Hier gibt es in der Regel eine gute und eine weniger geeignete Seite. Betrachten Sie deshalb Ihr Gesicht aus verschiedenen Blickwinkeln. Finden Sie Ihre Schokoladenseite und präsentieren Sie diese in der Kamera. Warten Sie zu Beginn etwa drei Sekunden und lächeln Sie dabei.
- Auch der Hintergrund sollte mit Ihrem Erscheinungsbild harmonieren. Vermeiden Sie hierbei möglichst zu viele private Einblicke (Einrichtung, Wohnatmosphäre). Der Personaler soll auf Sie achten - nicht auf den Hintergrund. Eine ruhige, schlichte Wand reicht. Besser ist natürlich ein modernes Büroambiente, beziehungsweise eines, das zum angestrebten Job passt. Dabei ist die richtige Ausleuchtung wichtig. Richtig ist die Beleuchtung, wenn Sie keine Schatten wirft, z.B. neben Ihrer Nase oder auf einer Gesichtshälfte.
Der professionel produzierte Clip (Personality Clip)
Gerade für High Potentials gilt: "Wer sich für seine Wunschstelle bewirbt, ist meist fachlich ohnehin spitze". Ihnen geht es in erster Linie darum, sich mit den bewegten Bildern von den übrigen Bewerbern abzuheben. Ein professionell produzierter Clip, ein so genannter "Personality Clip", kann auch für High Potentials eine gute Ergänzung zu den herkömmlichen Unterlagen, dem Lebenslauf und den übrigen Qualifikationsnachweisen sein. Wer für sein berufliches Fortkommen Geld investieren möchte, der kann sich bei diversen Anbietern einen professionellen Clip produzieren lassen. Das hat jedoch seinen Preis. Die Bewerber werden vor dem Dreh ausführlich vorbereitet und beraten. Profis übernehmen Regie, Kameraführung und das Schneiden der Bilder zum fertigen Clip. Ihren Text schreiben Sie als "Darsteller" selbst, damit das, was Sie Ihrem potentiellen Arbeitgeber vermitteln möchte, authentisch ist. Denn nur dann ist gewährleistet, dass Ihre Botschaft locker und entspannt rüberkommt.
