Arbeitszeugnis/ Codes

Codes

Arbeitszeugnisse müssen zwei Grundsätzen entsprechen: Erstens müssen die Angaben wahr sein und zweitens müssen sie wohlwollend formuliert sein, um dem Arbeitnehmer keine Hindernisse für den weiteren beruflichen Werdegang in den Weg zu legen. Zeugnisaussteller befinden sich also in einer Zwickmühle, denn es muss zum Beispiel auch das schlechte Verhalten eines Angestellten positiv formuliert werden. Um trotzdem erkennen zu können, ob dies ein guter oder schlechter Mitarbeiter war, wurde eine eigene Sprache entwickelt. Die verwendeten Formulierungen sind oft zweideutig und tückisch, auch verbale Ohrfeigen werden hier nett verpackt.

Außerdem können auch in gezielten Auslassungen negative Beurteilungen versteckt sein. Das Weglassen bedeutet, dass keine positive Aussage über den Arbeitnehmer gemacht werden kann. Es weckt bei den Arbeitgebern Misstrauen, wenn Selbstverständlichkeiten gelobt werden. Sollte zum Beispiel der Satz "Frau B. war stets pünktlich." im Arbeitszeugnis auftauchen, deutet es darauf hin, dass sonst nichts Gutes über sie gesagt werden kann. Darum sollten Sie auf die Vollständigkeit des Zeugnisses achten.

Die Beurteilung ist oft in Form von Schulnoten gegliedert. Im Folgenden finden Sie eine kleine Übersicht an Formulierungen, wie sie häufig in Zeugnissen zu finden sind und was sie wirklich bedeuten:

  • "Die Aufgaben wurden stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit erledigt"
    Sehr gute Leistungen, Schulnote 1
  • "Die Aufgaben wurden mit Sorgfalt und größter Genauigkeit erledigt"
    Gute Leistungen, Schulnote 2
  • "Die Aufgaben wurden mit großer Sorgfalt und Genauigkeit erledigt."
    Befriedigende Leistung, Schulnote 3
  • "Die Aufgaben wurden mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt"
    Ausreichende Leistung, Schulnote 4
  • "Die Aufgaben sind im allgemeinen mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt worden"
    Unzureichende Leistungen, Schulnote 5

Darüber hinaus gibt es bestimmte Codesätze, die einem im ersten Eindruck recht positiv erscheinen, hinter denen sich aber meist negative Eigenschaften des Arbeitnehmers verbergen:

  • Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war jederzeit vorbildlich
    => Probleme mit Vorgesetzten (die Kollegen werden vor den Vorgesetzten genannt)
  • Sie zeigte immer Verständnis für die anfallende Arbeit
    => keine gute Arbeit
  • Er hat alle Interessen in seinem und im Interesse der Firma gelöst
    => Klauen oder andere schwere Unkorrektheiten
  • Durch ihre Geselligkeit trug sie zur Verbesserung des Betriebsklimas bei
    => Starker Alkoholgenuss
  • Er hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht…
    => Es aber nicht geschafft
  • Im Kollegenkreis galt sie als tolerante Mitarbeiterin
    => Sexualkontakte mit Kollegen
  • Er war wegen seiner Pünktlichkeit stets ein gutes Vorbild
    => Pünktlichkeit ist eine Selbstverständlichkeit, er konnte sonst wohl nichts anderes

Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Es ist also wichtig zu wissen, was die einzelnen Sätze in einem Arbeitszeugnis bedeuten, denn nicht alles ist auch wirklich so positiv gemeint, wie es sich anhört!





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